I Run 661 – KW 9

Die „I Run 661“ Challenge hat begonnen und die ersten Läufe liegen hinter mir. In diesem Beitrag könnt ihr nachlesen, wie es mir in der KW9 ergangen ist.

Worum es in der Challenge geht könnt ihr hier nachlesen

Prolog – Mittwoch 1.03.2018, 0:20

Meine Stimmung: Voller Tatendrang

Während der „I Run 661“ Challenge gibt es einige Events um die Motivation hoch zu halten. Das erste davon ist „Nightfall“, die Aufgabe ist simpel: Laufe zwischen 0 und 1 Uhr am ersten März 6,61km, ein Prozent der Gesamtstrecke. Da der Erste auf einen Donnerstag fällt, habe ich ursprünglich nicht vor teilzunehmen. Da wir, am Mittwoch, unseren Spieleabend ohnehin bis nach Mitternacht ausgedehnt haben, hat es sich angeboten, die Strecke doch mitzunehmen. So ging es für mich kurz nach 0:20 hinaus in die Kälte. Etwas unter minus zwölf Grad zeigt das Thermometer. Ich starte den Lauf zu schnell, vor allem weil meine Strecke mich direkt bergauf führt. Die kalte Luft brennt unangenehm in der Lunge. Ich lasse es daraufhin langsamer angehen, etwas seltsam fühlt sich das ja schon an: Mutterseelenallein in tiefster Nacht durch ausgestorbene Ortschaften hindurch. Wenn mich doch jemand bemerkt, was mag er wohl denken? Auf dem höchsten Punkt nehme ich ein Foto auf, in tiefster Nacht gelingt das eher schlecht als recht. Das letzte Stück führt mich über einen vereisten groben Feldweg, dann bin ich schon wieder zu Hause: Punkt 0:59 mit den ersten 7,2 von 661km auf dem Konto.

Distanz: 7,20 Höhenmeter: 143 Dauer: 37:27

Wölfe in der Nacht – Mittwoch 1.03.2018, ca 19:00

Meine Stimmung: Entspannt

Mein zweiter Lauf, trotz des ungeplanten Prologs, soll es bei den veranschlagten 22km bleiben. Wie heute früh ist es kalt, etwa minus acht grad. Diesmal bin ich nicht alleine unterwegs: Amak begleitet mich. Leider ist er mit meinem defensiven Tempo nicht einverstanden, wirkt unkonzentriert und versucht zu jagen was auch immer, meinen Augen verborgen, sich auf den angrenzenden Feldern befindet. So gibt es auf den ersten Kilometern viele kurze Pausen und abrupte Tempowechsel. Das nervt nicht nur, sondern kostet auch richtig Kraft. Erst nach sechs, sieben Kilometern beruhigt er sich und fällt, wie gewohnt, in seinen Arbeitstrab.
Mein Weg führt durch Wälder, weit abseits der Ortschaften, einsam, friedlich, nur ich und mein Wölfchen, der Vollmond über uns. Einige Abschnitte sind vereist, laufen lässt es sich dennoch gut. Ich komme aus einem schmalen Trail heraus, als seltsame Figuren vor mir auftauchen, schnell schält sich ein Steinkreis aus der Dunkelheit. Bei Tag bestimmt hübsch anzusehen, aber in der Nacht etwas unheimlich. Auf jeden Fall ein willkommenes Motiv für mein Foto des Laufs. Der letzte Abschnitt, meiner Route, führt durch offenes Gelände. Eiskalter Wind pfeift mir um die Ohren und ich bin froh, als ich wieder zu Hause, im warmen, angekommen bin. Tag eins überstanden, noch dreißig vor mir.

Distanz: 22,28 Höhenmeter: 295 Dauer: 2:05:54

Wie soll das gut gehen? Donnerstag 2.03.2018 ca. 13:30

Meine Stimmung: Schwach

Ich gönne mir heute einen kurzen Arbeitstag. Ich habe in den letzten Wochen und Monaten genug Überstunden angesammelt, um ausreichend Freizeit für die Challenge zu haben. Trotz der günstigen Ausgangslage fühle ich mich von Beginn an schwach. Weder sind die Beine schwer noch schmerzt sonst etwas, ich merke lediglich das mir jede Lockerheit fehlt. Unter anderen Umständen würde mir das kein Kopfzerbrechen bereiten, mit noch 632 zu laufenden Kilometern schon. Wie soll das gut gehen? Die gewählte Strecke bietet einige Steigungen, ist ansonsten aber recht anspruchslos, lediglich im Wald gibt es ein paar glatte Stellen. Nach und nach reift die Erkenntnis: Hunger plagt mich. Ich habe heute bislang zu wenig gegessen und fühle mich daher so kraftlos. Das Problem erkannt zu haben schafft neuen Mut und es gelingt mir auf der zweiten Hälfte des Laufs etwas Tempo zulegen. Dennoch bin ich heilfroh es für heute geschafft zu haben.

Distanz: 22,86 Höhenmeter: 319 Dauer: 2:09:17

Spuren im Schnee – Freitag 3.03.2018, ca. 10:00

Meine Stimmung: Gut

Ich erwache erholt, fühle mich frisch und ausgeruht. Ein gutes Signal, nach dem mir das Laufen gestern so schwergefallen ist. Für heute sind zwei Läufe geplant, ein kurzer zusammen mit Amak während meine Frau mit Tuaq in der Hundeschule ist und ein langer Lauf im Anschluss alleine. Es hat die Nacht über geschneit und die Waldwege, auf denen wir unterwegs sind, liegen unberüht vor uns. Frische Spuren im Schnee, vier Pfoten, zwei Laufschuhe. Klare frische Luft, angenehme Temperaturen, kein Zeichen von Schwäche, herrlich, so möchte ich am liebsten ewig weiter laufen. Ewig weit darf der Lauf aber nicht werden, nicht bei dem, was heute noch, vor mir liegt, so gewinnt die Vernunft und wir begeben uns auf den Heimweg.

Distanz: 10,25 Höhenmeter: 129 Dauer: 58:23

37km für ein Eis – Samstag 3.03.2018, ca. 13:00

Meine Stimmung: besorgt

Für den heutigen Tag hatte ich mir ursprünglich vierzig Kilometer vorgenommen, durch den morgendlichen Hundelauf habe ich schon zehn auf dem Konto. Auf der anderen Seite fehlen mir lange Läufe, dreißig wäre zu kurz. Letztlich gewinnt Streckenattraktivität und ich erstelle mir eine Runde mit 37km. Die hat den Vorteil, dass sie an meiner Lieblingseisdiele vorbeiführt, die seit anfang März aus der Winterpause zurück ist. Ich mache mir dennoch Sorgen, ob die insgesamt 47 Tageskilometer für meinen aktuellen Trainingsstand nicht zuviel des Guten sind.
Nach einigen flachen Kilometern über Landstraßen führt mich mein Weg in den Wald hinein. Der Boden ist vereist und auf Anstiegen komme ich oft ins Rutschen. Zwei markante Reißzähne hat das Streckenprofil, des Weitere sind viele kurze aber steile Rampen zu erklimmen. Das Laufen durch den Schnee ist reizvoll aber anstrengend. Ich durchlaufe einige winzige Ortschaften und ernte hier und da ein paar neugierige Blicke, die meiste Zeit bin ich jedoch alleine im Wald unterwegs. Mein erstes Zwischenziel erreiche ich nach etwa 23km: Den Dreifrankenstein, der eine Landmarke markiert an dem die drei Regierungsbezirke Unter-, Ober- und Mittelfranken aufeinandertreffen. Leider markiert er heute auch meinen Kräfteverfall, ich bin erschöpft und bin froh das ein langer Abstieg und einige flache Kilometer auf mich warten. Eine halbe Stunde später habe ich Schlüsselfeld erreicht und hole mir mein verdientes Eis ab. Einfach mal fünf Minuten zu sitzen und sich zu stärken ist eine Wohltat. Der Wiederanlaufschmerz nicht. Mit schweren ungelenken Beinen und der Anmut von Kermit dem Frosch watschel ich die ersten Schritte durch die Stadt, bis die Schwere langsam abfällt. Die Pause hat gut getan, ich fühle mich deutlich kräftiger und der restliche Weg nach Hause bereitet keine großen Probleme mehr. Dennoch bin ich heilfroh es für heute geschafft zu haben.

Distanz: 36,92 Höhenmeter: 453 Dauer: 3:40:02

  

Kontraste – Sonntag 4.03.2018, ca 13 Uhr

Meine Stimmung: Müde

Heute wird nicht gelaufen, heute wird gewandert, eine Regenerationsmaßnahme. Meine Beine danken mir dafür, ich spüre deutlich die Anstrengung des langen Laufs von gestern. Erschwerend kommt hinzu, das ich die Nacht kaum schlaf gefunden habe.
Das Wetter könnte besser nicht sein, Sonne pur, kaum Wind, fast zehn Grad (plus wohlgemerkt). Meine Frau begleitet mich, ebenso Amak und Tuaq. Wir laufen zunächst auf breiten befestigten Wegen, offen unter blauem Himmel, der Temperatursensor an meinem Rucksack bescheinigt satte 24 Grad. Kaum erreichen wir den Wald, knirscht Schnee unter unseren Schuhen, ein Tag der Kontraste.
Die meisten Anstiege erstrecken sich über sanfte, langgezogenen Rampen und erfordern kaum Krafteinsatz. Etwa nach der Hälfte der Strecke kommen wir erneut an dem Steinkreis vorbei (siehe „Wölfe in der Nacht“), am Tag wirkt alles deutlich freundlicher und weniger seltsam als in der Dunkelheit. Ein weiterer Kontrast zu meinem Nachtlauf: Spaziergänger und Jogger begegnen uns in großer Menge, das schöne Wetter treibt alle hinaus.
Meine Beine kooperieren, die Müdigkeit bleibt. Ich hoffe, mich diese Nacht erholen zu können, denn morgen starte ich in die umfangreichste Woche meines bisherigen Läuferlebens.

Distanz: 16,16 Höhenmeter: 245 Dauer: 3:08:28

Fazit KW9

Schon die erste, kurze, Woche glich einer Achterbahnfahrt mit Höhen und Tiefen. Mein Ziel konnte ich übererfüllen, vor allem durch den ungeplanten Prolog und den zweiten Lauf am Samstag. Aktuell beträgt mein Vorsprung auf dem Plan etwa 22 Kilometer, was mir den Freiraum gibt jederzeit einen Ruhetag einlegen zu können. Ein beruhigendes Gefühl.
115km sind geschafft, noch 546 liegen vor mir.

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