22. Amberger Halbmarathon

Dieses Jahr einen Halbmarathon zu bestreiten war eines meiner persönlichen Ziele für 2016. Eigentlich hatte ich geplant mir dieses Ziel erst im Herbst des Jahres zu erfüllen, da wir diesen Sommer jedoch unser Haus bauen war es sehr schwierig mehrere Monate in die Zukunft zu planen. Schließlich wissen wir nicht wie lange der Bau sich tatsächlich ziehen wird, wann der Einzug stattfindet und ob in der Zeit überhaupt ein vernünftiges Training möglich ist. Aus diesen Gründen – und ein gutes Stück aus einer Laune heraus – meldete ich mich schließlich, im Januar, zum Amberger Halbmarathon an, der am 17. April stattfinden sollte.

Mit dem neuem Ziel vor Augen begann ich zu trainieren, meine bislang längste gelaufene Strecke lag bei etwa 15km, also galt es noch Entfernung hinzuzufügen. Einen Trainingsplan befolgte ich nicht, ich versuchte einfach 2-3 mal die Woche laufen zu gehen. Die ersten Wochen klappte das auch richtig gut und meine Zuversicht, den Halbmarathon bestehen zu können, wuchs.

Mitte März erreichte uns dann ein Brief unser Baufirma: „Wir freuen uns Ihnen der Aufbautermin Ihres Fertighauses bekanntgeben zu können: 18. April 2016.“ Das reichte um etwas Panik hervorzurufen, nicht mal mehr einen Monat bis unser Haus kommt, bis dahin galt es noch viel zu erledigen: Erdarbeiten organisieren, Versorger auf den Termin Abstimmen, Baustrom und Wasser auftreiben, Straßensperre beantragen… All diese Dinge beschäftigten mich sehr eingehend, so dass für das Training nicht mehr viel Zeit blieb. Die Läufe wurden kürzer und unregelmäßiger, gleichermaßen auch langsamer und gefühlt anstrengender – kurzum meine ohnehin kaum ausreichende Laufleistung stagnierte vor meiner Halbmarathon-Premiere. Natürlich dachte ich daran den Lauf abzusagen, auf der anderen Seite war das Startgeld bezahlt und viel zu verlieren hatte ich auch nicht: Die Laufstrecke bestand aus mehreren Runden, wenn es mir zu viel werden würde, könnte ich jederzeit abbrechen. Das hatte ich freilich nicht vor, aber in Anbetracht der Umstände wäre das Scheitern vertretbar gewesen.

Die Zeit verging schnell, Hausbau und Halbmarathon-Premiere – zwei Dinge die bei mir eigentlich Aufregung und Nervosität hervorrufen sollten – schafften es eigenartigerweise mich wechselseitig zu beruhigen. Die Anspannung brach so erst am Lauftag selbst durch. Sehr früh stand ich auf und zwängte mir ein paar Scheiben Toast mit Honig rein, ich hatte gelesen das, dass ein gutes Läufer-Frühstück sei, wenn schon die Rest der Vorbereitung nicht optimal war, dann zumindest ein gutes Frühstück. Zum Glück wollte meine Frau mich begleiten, so musste ich nicht selber die gut 100km nach Amberg fahren. Gerade mit Blick auf die Rückfahrt mit vermutlich dann bleischweren Beinen war ich wirklich sehr dankbar dafür, zumal ich mir auch interessanteres vorstellen kann als Stundenlang auf mich zu warten. Stundenlang beschreibt in dem Fall meine erwartete Zielzeit: Das offizielle Zeitlimit liegt bei 2,5 Stunden, ich habe vor das einzuhalten, mehr Ansprüche an mich habe ich nicht. Schon auf der Fahrt setzt ein leichter Nieselregen ein, als wir in Amberg ankommen ist der Himmel grau und voller schwerer Regenwolken, das ganze bei kühlen 10-12 Grad. Unterm Strich stört mich das nicht, im Gegenteil, ich bin über das Mushen (Schlittenhunde-Sport) zum Laufen gekommen, hätte ich Probleme mit schlechten Wetter hätte ich mir sicherlich ein anderes Hobby ausgesucht.

Wir kommen früh an, fast zwei Stunden vor meinem Start. Ich habe bewusst viel Puffer eingeplant, zum einem wegen der Sorge vor Staus, zum anderen um genug Zeit zu haben die Startunterlagen abzuholen und mich zu orientieren. Da dies meine erste Laufveranstaltung ist weiß ich noch nicht so recht wie die Abläufe vor Ort funktionieren. Das Startgelände liegt am Siemens-Werk im Sportlerheim des CIS-Amberg, eine kleinere Gruppe Läufer steht bereits auf dem Parkplatz. Das Sportlerheim und darin die Startnummern-Ausgabe ist schnell gefunden. Auf ein großes Starter-Paket wird verzichtet, es gibt eine Startnummer samt Sicherheitsnadeln und einen Einwenig-Transponder, nicht mehr, nicht weniger. Ich muss mir kurz Erklären lassen wozu der Transponder gut ist und wie man ihm am Schuh anbringt – ja das ist wirklich meiner Lauf. Die Helfer erklären es mir freundlich und im Grunde bin ich dann schon startbereit, noch immer fast zwei Stunden Zeit. Ich nutze die Zeit um mir noch einmal den Streckenplan anzusehen: Die erste Runde beginnt hier am Sportlerheim, und führt dann ein Stück den Fluss hinauf, dann wird gewendet und man biegt in den Park ein, überquert eine Brücke und folgt den Fluss in die entgegengesetzte Richtung, bis man wieder den Fluss überquert und auf der anderen Seite zurück läuft. Diese Runde läuft man dann noch zweimal, danach biegt man in Richtung Stadion ab, wo es noch eine Runde zu laufen gilt eh man das Ziel überquert. Nach und nach kommen mehr Läufer an und es wird langsam voll im Sportlerheim. Wir wechseln daher in die Siemens Kantine über, hier wird später die Siegerehrung stattfinden., Helfer sind gerade dabei Kaffee, Kuchen und Sieger-Preise aufzubauen. Durch die großen Fenster hat man einen guten Blick auf den Parkplatz wo die 10km Läufer anfangen sich aufzuwärmen. Sie werden eine halbe Stunde vor mir auf die Strecke gehen. Ein einsamer Ansager sagt regelmäßige die verbleibende Zeit bis zum Start durch, während das Wetter immer schlechter wird. Laut Wetterbericht soll der Regen bald aufhören ich bin mir daher noch unsicher ob ich mit oder ohne Jacke auf die Strecke gehen werde. Zehn Minuten vor dem Start der 10km Läufer gehen ich und meine Frau auf den Parkplatz um den Start mit zu verfolgen. Die Schar der Läufer ist überschaubar, vielleicht 50? Die Schar der Zuschauer besteht überwiegend aus uns Halbmarathon-Läufern. Jemand hält eine Rede, ich glaub es ist der stellvertretende Bürgermeister? Dann fällt der Startschuss und die Läufer setzten sich in Bewegung.

Ich versuche mich nun ebenfalls warm zu machen, jedoch ohne dabei viel Kraft zu verschwenden, sie wird mir ohnehin früher als mir lieb ist ausgehen, davon bin ich überzeugt. Im Punkt der Kleidungsfrage entscheide ich mich für Jacke und kurze Hose. Meine Frau pinnt mit die Startnummer an. Ich bin ziemlich nervös und die Zeit vergeht nur zäh. Fünf Minuten vor dem Start nehmen wir Aufstellung ein ich orientiere mich im hinteren Drittel. Ich schätze die Anzahl der Starter auf gut 100 ein. Die Menge an Zuschauern ist jetzt, da keine später startenden Läufer mehr da sind, noch einmal deutlich geschrumpft. Auch wir empfangen eine Ansprache, ich kann mich an nichts davon erinnern. Ich starte Musik und Runtastic und warte auf den Startschuss. Peng! Und es geht los. Ich winke meiner Frau zu die am Streckenrand tapfer versucht mich mit der Kamera einzufangen und es geht den ersten Hügel hoch – keine 10 Höhenmeter und, laut Ansager, trotzdem die stärkste Steigung auf der Strecke. Dieser Umstand macht mir wirklich etwas Mut, bei uns zu Hause ist es überall sehr hügelig so das ich es gewohnt bin Hügel zu erklimmen, ich hoffe das mir das einen kleinen Kräftevorteil verschafft der mir helfen soll die 21,1km zu überstehen.

Schnell ist der erste Hügel erklommen und wir laufen durch ein Industriegebiet. Das Feld ist noch recht kompakt beisammen ich versuche mehrfach Anschluss an eine Gruppe von Läufern zu finden merke jedoch meist schnell, dass ich das Tempo nicht halten kann. Gruppe um Gruppe zieht an mir vorbei während ich mich langsam nach hinten arbeite. Mir war gar nicht bewusst das hinter mir noch soviel Starter waren. Wir biegen links ab, wenn ich die Karte richtig in Erinnerung habe laufen wir nun hinab zum Fluß und schwenken auf die Strecke ein die wir nun dreimal umlaufen müssen, dabei passieren wir auch das 1km Schild. Ein Streckenpost ruft laut die Zeiten hinein: Knapp über 5 Minuten. Himmel ich bin viel zu schnell, das ist kein Tempo was ich lange stehen kann. Ich versuche langsamer zu laufen und werde sofort wieder von einigen Läufern überholt. Wir verlassen das Industriegebiet und folgen ein Stück Landstraße, vor uns liegt nun die Wendestrecke, es kommen mir schon reichlich Läufer entgegen, ein Zeichen dafür wie weit das Feld schon nach wenigen Minuten in die Länge gezogen wurde. Am Wendepunkt steht ein Rot-Kreuz-Wagen bereit, insgesamt bin ich überrascht wie viele Helfer auf der Strecke verteilt stehen: Streckenposten, Rot-Kreuz, Feuerwehr in Summe dürften es nicht viel mehr Läufer als Helfer sein die nötig sind um die Veranstaltung zu realisieren – vielen Dank euch allen!!

Die Strecke führt nun zum ersten Mal über den Fluss und auf den ersten von zwei Versorgungspunkten, pro Runde, zu. Ich schnappe mir einen Becher Wasser, da ich das Trinken aus den Pappbechern nicht gewöhnt bin verschlucke ich mich heftig, die andere Hälfte landet irgendwo auf meiner ohnehin schon regennassen Jacke. Zum Glück hält sich der Durst aber ohnehin in Grenzen… es folgt ein kurzes Stück Kopfsteinpflaster – fürchterlich zu laufen sowie zwei Brückenunterquerungen die so niedrig sind das ich intuitiv den Kopf einziehe um nicht anzustoßen (was sicherlich nicht nötig gewesen wäre). Überall da wo es etwas Regenschutz geht stehen einige Zuschauer, sie klatschen und feuern uns an. Das baut mich wirklich auf, ich versuche jedesmal ein kurzes „Dankeschön“ zuzuraunen oder zumindest ein dankbares Handzeichen zu geben. Auf der gegenüberliegenden Flussseite kommt mir bereits die Führungsgruppe entgegen, sie haben ein wahnsinniges Tempo drauf. Mein Weg führt zunächst an einer Streberdgartensiedlung vorbei, auf der Höhe eines Hallenbades (oder einer Therme? ich bin mir nicht sicher) heißt es für mich, wieder über den Fluss. Die zwei Streckenposten die hier stehen treiben uns richtig an „Weiter, Weiter, gebt Gas!“. Besonders in den nächsten zwei Runden brauche ich diesen Zuspruch, also danke euch! Auf der anderen Seite entfernt sich der Weg kurz vom Fluss und führt durch eine Straße bis man schließlich wieder auf einen Spazierweg am Fluss einbiegt. Auch hier stehen Streckenposten, Verlaufen ausgeschlossen. Die Grünflächen auf dieser Seite werden ausladender, vor einigen Jahren hat hier die Landesgartenschau stattgefunden, ein paar Anlagen erinnern noch daran. Ich komme an der späteren Zielabbiegung Richtung Stadion vorbei und erreiche kurze Zeit später den zweiten Versorgungspunkt. Ich mache diesesmal langsamer und schaffe es tatsächlich einen Großteil des Becherinhaltes zu trinken. Das Umspannwerk vor mir erkenne ich aus meiner ersten Runde, das erste Drittel ist geschafft, genau genommen sogar schon etwas mehr, da ich in der letzten Runde ja Richtung Stadion abbiege.

Auf der zweiten Runde ist das Feld derart in die Länge gezogen, dass ich Abschnittsweise ohne einen weiteren Läufer in Sicht unterwegs bin. An der Wendestelle kommen mir noch ein paar Läufer entgegen, später sehe ich auch das tatsächlich noch jemand hinter mir ist. Der Regen hat nun tatsächlich aufgehört und die Sonne kommt heraus. Mir wird warm und ich öffne die Jacke, nur um sie kurze Zeit später wieder zuzumachen, die teilweise starken Windböen kühlen mich aus. Die Hälfte der Strecke ist geschafft doch ich beginne bereits langsam zu spüren das die Beine schwerer werden. Auch der positive Zuspruch der Zuschauer wird dünner, die meisten scheinen nach der ersten Runde gegangen zu sein. In der Ferne höre ich den Stadionsprecher hektische Ansagen machen und etwas Jubel, anscheinend ist das Spitzenfeld gerade angekommen, überrundet wurde ich inzwischen von einigen Läufern. Am nächsten Versorgungspunkt nehme ich mit mitgebrachtes Gel ein und mache mich auf zur letzten Runde.

Wo Runde zwei schon recht einsam war habe ich nun das Gefühl alleine Unterwegs zu sein, der Regen setzt wieder ein, die Beine sind inzwischen schon richtig schwer und ich fühle mich zunehmend ausgelaugt. Meine Stimmung ist gerade richtig am Kippen als eine ältere Frau mit Regenschirm in der Hand auf mich zugelaufen kommt. „Bravo, weiter“ ruft sie und läuft tatsächlich einige Meter den Regenschirm über mich haltend neben mir her. Ich bedanke mich und kann mein Grinsen nicht verbergen, diese kurze Begegnung gibt nochmal genug Schub um die Hälfte der Runde laufen zurückzulegen. Kurz vor der Wende und den Zieleinlauf verlassen mich die Kräfte jedoch erneut. Da hilft auch das Anschieben oben angesprochener Streckenposten nur noch bedingt weiter. Ich bin ausgelaugt und fertig, die Beine sind schwer, meine Kleidung, Schuhe, Socken – alles durchweicht bis auf die Haut. Ich schleppe mich weiter, ein fließender Wechsel aus laufen und gehen. Runtastic teilt mir mit einer Ansage mit 19km und irgendwas knapp unter zwei Stunden – zumindest scheint mein Ziel in der Zeit anzukommen nicht gefährdet zu sein. Ich biege gerade wieder auf den Spazierweg ein der mich Richtung Stadion führen wird als mich unvorbereitet ein Krampf in der linken Wade packt. Ich strauchle und kann mich gerade noch auf den Beinen halten. Der Krampf vergeht so schnell wie er gekommen war, ich laufe noch langsamer. Endlich die 20km Tafel, kurz darauf kann ich zum Stadion abbiegen. Kurz vor dem Eingang der nächste Krampf. Ich hoffe inständig das ich zumindest die Stadionrunde noch durchhalte. Ich biege auf die Tartanbahn ein und lass den Blick durch das Stadion schweifen. Am Ziel steht eine Schar Helfer und am Zielverpflegungsstand einige Läufer. Auf der Tribüne eine Hand voll Zuschauer, ich entdecke meine Frau in dem Moment als der Stadionsprecher meinen Namen ansagt. Ich versuche nochmal alles zu geben und zumindest in Würde meine Zielrunde zu laufen. Autsch! Nächster Krampf, ich bin gezwungen langsamer zu laufen und werde noch einmal überholt. Dann liegt der Zielbogen über ich laufe über die Matte – Krampf – um ein Haar stürze ich über die Zielline. Eine Helferin gratuliert mir und hängt mir die Finisher Medaille um. Geschafft! Ich habe meinen ersten Halbmarathon überstanden. Ich bin stolz wie Oskar und empfange meine Frau. In wenigen Sätzen versuche ich alles erlebte runterzuspulen während sie mich zum Verplegungsstand manövriert. Während es auf der Strecke nur Wasser gab gibt es hier nun verschiedene Getränke, ein paar Süßigkeiten und Salzgebäck. Mir hat es der warme Tee angetan denn durchnässt wie ich bin friere ich fürchterlich. Auch meiner Frau ist kalt und auch sie darf sich bedienen. (Danke an das freundliche Team dafür!)

Nach ein paar Minuten steuern wir auf die Siemens-Kantine zu wo in kürze die Siegesehrung stattfinden wird. Ich genehmige mir hier noch Kaffee und Kuchen dann brechen wir aber auf, schließlich kommt morgen unser Haus und es gilt noch einige Vorbereitungen zu treffen. Vorher schaue ich jedoch noch auf dem Ergebnis-Aushang nach:

2:11:20, 12 / 12 in M30

Fazit:

Angesichts der schlechten Vorbereitung bin ich mit meiner Leistung zufrieden. Der Lauf selbst ist routiniert organisiert, die Helfer sind zahlreich und freundlich, die Strecke perfekt abgesteckt. Der Lauf eignet sich entweder für Einsteiger wie mich oder für Läufer mit Bestzeitambitionen denn die Strecke ist wirklich flach wie ein Brett. Als Anfänger fand ich die Überschaubarkeit der Veranstaltung positiv. Die Versorgung auf der Strecke ist zwar einfach, für einen Halbmarathon aber auch ausreichend, die Zielverpflegung war perfekt. Ich kann die Veranstaltung daher auf jeden Fall weiterempfehlen!