10. Fürther Metropolmarathon

Knapp zwei Monate nach meinem ersten Halbmarathon steht mit dem Fürther Metropolmarathon mein zweites Rennen an. Anders als bei meinem ersten Lauf hatte ich dieses Mal Zeit für eine vernünftige Vorbereitung, unser Häuschen steht und der Estrich trocknet auch ohne unser Zutun vor sich hin. Die Teilnahme an dem Rennen hat für mich in erster Linie geographische Gründe: Da ich etwa 50km nördlich von Fürth wohne und in Nürnberg arbeite, liegt Fürth quasi vor der Haustür. Ansonsten muss ich jedoch zugeben, dass ich, wo ich 10 Jahre in Nürnberg gewohnt habe, gewisse Vorbehalte gegen Fürth pflege (von denen sich einige auf diesem Lauf zerschlagen werden). Für mich ist es die erste größere Laufveranstaltung, ich bin daher neugierig darauf wie es sich anfühlt in einem so großen Feld und mit vielen Zuschauern zu laufen.

Bereits am Samstag fuhr ich mit meiner Frau nach Fürth um die Startunterlagen abzuholen. Kaum am Fürther Hauptbahnhof angekommen wird man bereits vom Lauffieber erfasst. Heute finden die Kinderläufe und der 1/10 Marathon statt, dazu kommen viele Läufer die, wie wir, ihre Unterlagen für morgen abholen möchten. Die Fürther-Freiheit, der Start- und Zielbereich, hat sich in ein Volksfest verwandelt: Süssigkeiten Wagen, Lebkuchenherzen, Eisverkäufer, all die Dinge um die man als Läufer lieber einen Bogen machen sollte locken hier. Auf der Hauptbühne zeigt gerade eine Tanzgruppe ihr können, zwischen den Buden sind viele Bierbänke aufgebaut. In der Ausschreibung der Veranstaltung war von einer Lauf-Messe die Rede, darunter hätte ich jetzt wenigstens ein halbes Dutzend Stände vorgestellt,  in der Tat handelt es sich um nicht mehr als 3-4 kleine Buden, eher am Rand der Veranstaltung gelegen und mit wenig Produkten in der Auslage. Der geplante Einkaufsbummel entfällt daher.

Ich komme mir ein wenig verloren vor und Steuer zunächst den Info-Point an um mich zu erkundigen wo ich meine Unterlagen abholen kann, auf der anderen Straßenseite in einem abgesperrten Bereich, es hätte wohl auch gereicht einfach den besser informierten Mitläufern zu folgen. An beschriebenem Ort stehen gut ein Dutzend große Zelte, Startunterlagen, Nachmeldungen, Gepäckaufbewahrung, alles übersichtlich beschildert. Vor den Startnummernausgaben sind lange Schlangen, die für den Halbmarathon ist die Längste, also heißt es erst mal einreihen. Etwa zwanzig Minuten später bin ich an der Reihe, ich tausche Meldebestätigung gegen Starter-Tasche und mache mich wieder auf den Heimweg.

Bei meinem ersten Halbmarathon, im April, hatte ich weder die Zeit mich ordentlich vorzubereiten noch nervös zu werden. Dieses Mal habe ich die letzten Woche recht diszipliniert trainiert, besonders die langen Läufe. Die Veranstaltung ist für mich daher viel präsenter und die Aufregung hat sich bereits am Wochenanfang eingestellt. Jetzt wo ich die Startunterlagen in den Händen halte steigert sich das ganze noch einmal. Die einzige Gemeinsamkeit zu meinem Lauf im April ist das Wetter: Es ist ziemlich frisch und dicke Regenwolken hängen über Fürth. Zu Hause gehe ich die Unterlagen durch, sehr viel Werbung, ein paar Produktproben und natürlich die Startnummer.

Der nächste morgen beginnt unruhig, viel zu früh bin ich wach und widerwillig  zwinge ich mir ein paar Scheiben Toastbrot rein. Ich möchte zwar so fahren das ich nicht stundenlang auf den Start warten muss, möchte natürlich aber auch nicht zu spät kommen, der Versuch beiden Wünschen gerecht zu werden führt zu einem hektischen Warten: Viel zu früh ziehe ich mich um, kontrolliere ein dutzend mal das ich meine Startnummer in der Tasche habe, überschlage die Fahrzeit. Schließlich geht es endlich los, meine Frau begleitet mich auch dieses mal. Die Fahrt verläuft, wie erwartet, ohne Zwischenfälle. Vom Parkhaus ist noch ein Stück in der U-Bahn, der ganze Zug ist bereits voller Läufer. Vom Bahnhof zieht die Prozession in Richtung Fürther Freiheit und auch wir reihen uns ein. Das Gelände ist heute deutlich besser Besucht, gerade findet der Start für einen kürzeren Lauf statt, welche Distanz bekomme ich leider nicht mit. Mein Zeitplan ist ziemlich gut aufgegangen, ich habe noch eine 3/4 Stunde Zeit, vor uns gehen noch die Marathon Läufer auf die Strecke, wie beobachten den Start, dann pinnt mir meine Frau die Startnummer an und ich begebe mich in den Startbereich. Ein prüfender Blick in den Himmel: Stark bewölkt aber noch kein Regen, es ist kühl, optimale Bedingungen zum Laufen. Bis zur Startlinie sind es von meiner Position aus bestimmt noch gut 40-50m dennoch füllt es sich hinter mir sehr schnell. Immer wieder Recke ich mich und schaue dem Wurm beim Wachsen zu. Der Ansager gibt die Zeit  durch, noch 10 Minuten bis zum Start. Ich schalte Streckenaufzeichnung und Musik ein und bin schlagartig entspannt: Ich bin bereit, kann losgehen!

Die Zeit bis zum Start vergeht gefühlt schnell, die Stimmung ist gut, der ein oder andere Schart Nervös mit den Hufe, aber die meisten sind bester Laune. Es gibt wieder eine Rede auf die ich nicht wirklich achte, dann der Startschuss und langsam schneller werdend setzt sich der Wurm in Bewegung. Ich suche nach meiner Frau, sie wollte an der ersten Kurve stehen und Fotos machen. Ich entdecke sie und winke, sie mich leider nicht, so wird nichts aus dem Foto. Die Strecke führt zunächst durch die Fürther Innenstadt, Richtung Hauptbahnhof und dann in mir unbekannte Seitenstraßen. Am Streckenrand stehen jede Menge Zuschauer, auch immer wieder Musikgruppen, vor Allem Trommler. Die Stimmung ist ausgelassen. Die Ansagen von Runtastic kann ich nicht verstehen, ich weiß daher nicht wie zügig ich unterwegs bin. Es fühlt sich jedoch schnell an, aber auch entspannt. Ich versuche dennoch es nicht zu übertreiben und mache lieber etwas langsamer. Schon rauscht der erste Verpflegungspunkt heran. Der Lauf hat wirklich alles zu bieten: Wasser, Cola, Iso, Salzgebäck, Schwammbecken, an bestimmten Punkten auch Gel. Neben der Auswahl ist auch die Anzahl an Versorgungspunkten beeindruckend, ganze 13 Stück auf der Halbmarathon Strecke. Den ersten lasse ich jedoch noch aus, das Feld ist noch so eng zusammen das es am Versorgungsstand kaum voran geht, ich weiche lieber weiträumig links aus. Wir laufen durch einen Park und an der Musikschule vorbei, hier wurde eine kleine Bühne aufgebaut auf der die Schüler ihr Können zum besten geben. Langsam zieht sich das Feld auseinander und auch die Straßen und Gassen durch die wir laufen werden kleiner. Nach etwa 5 KM geht es in den Stadtpark, zum ersten Mal verstehe ich die Ansagen von Runtastic. Im Schnitt 5:30 / km bislang. Das ist für mich sehr schnell. Ich mache mir Sorgen ob ich das durchhalte, auf der anderen Seite fühle ich mich hervorragend und die Strecke ist insgesamt sehr Flach. Nach dem Park werden ein paar Höhenmeter kommen, aber da bin ich von zu Hause schlimmeres gewohnt. Ich versuche mich daher eher darauf zu konzentrieren bei den Überholmanövern nicht noch schneller zu werden. Überholmanöver sind für mich ohnehin neu, bei meinem letzten Lauf wurde ich ausschließlich überholt, es fühlt sich beängstigend gut an auch mal ganze Gruppen an Läufern passieren zu können.

Im Park fallen mir zum ersten Mal ein Läufer-Paar auf welches kurz vor mir läuft, sie hat ein lilafarbenes Laufshirt an, er ein quitsch gelbes Hemd. Da die beiden sich locker unterhalten scheint das Tempo für sie nicht übermäßig anstrengend zu sein für mich ist es fordernd aber durchhaltbar. Ungeplant werden die Beiden mir bis zum Ende als Pace-Maker dienen.

Gerade als wir den Park verlassen und uns einen kleinen Berg hinauf arbeiten beginnt es zu regnen. Mach mir nicht’s aus im Gegenteil, ich komme mit schlecht Wetter gut zurecht. Wir durchqueren einen Vorort von Fürth, und folgen weiter der Landstraße. Davon das wir gerade erst in der Großstadt waren ist nichts mehr zu sehen. Insgesamt gefällt mir die Streckenführung bislang sehr gut, es gibt mehr als genug Abwechslung für das Auge, für gute Stimmung sorgen die vielen Zuschauer die auch hier am Straßenrand stehen. Ich kann kaum glauben das wir schon KM 11 erreicht haben, ich bin nun etwa eine Stunde unterwegs. Als Zielzeit hatte ich mir ca. 2:05 vorgenommen. Sollte ich das durchhalten würde ich tatsächlich unter zwei Stunden finishen können. Ich horche in mich hinein, noch fühlt sich alles gut an, trotzdem fällt es mir schwer zu glauben das ich das Tempo bis zum Schluss halten kann.

Die Strecke führt uns zu einem kleinen Flugplatz, inzwischen hat es aufgehört zu regnen und die Sonne kommt raus. Innerhalb von zehn Minuten ist es deutlich wärmer und vor allem schwüler geworden. Das ist kein Klima für mich, ich merke sofort das mir die schnellen Schritte merklich schwerer fallen. Am nächsten Versorgungspunkt trinke ich ISO und kippe mir einen Becher Wasser über den Kopf, das hilft und sorgt für Abkühlung. Ich werde bei dieser Strategie für den Rest des Laufs bleiben. Nach dem Flugplatz geht es wieder durch einen Vorort und dann hinaus auf offenes Gelände. Wir laufen auf geteerten Feldwegen und auf Rad und Wanderwegen entlang dies ist auch der einzige Abschnitt auf dem wir auf Zuschauern und Anfeuerungsrufe verzichten müssen. Das Gelände hier bietet keinen Sonnenschutz und meine Kräfte beginnen zu schwinden. Ich genehmige mir ein Gel und mache etwas langsamer bis wir wieder eine Ortschaft erreichen, es müssten jetzt noch 4-5 KM bis zum Ziel sein, die Stadt liegt also schon wieder vor uns. Wieder im Ort wird es besser und ich kann wieder zu meinen persönlichen Pace-Makern aufschließen, ich hatte die Zwei zwischenzeitlich aus den Augen verloren. Wir laufen durch schmalere Straßen und Gassen, dicht zwischen den Zuschauern hindurch und erreichen bei KM 18 wieder einen kleinen Park. Ich habe inzwischen ziemlich üblen Durst und genehmige mir am vorletzten Versorgungspunkt eine kurze Gehpause um zwei Becher in Ruhe trinken zu können, dann mache ich mich wieder auf den Weg zum Ziel.

Ich kenne mich in Fürth nicht sehr gut aus aber ich erkenne das wir uns dem Rathaus nähern, wir werden wohl das letzte Stück durch die Fußgänger Zone laufen, d.h. noch einen Anstieg und den letzten KM bis zum Ziel bergab. Die Beine sind inzwischen etwas schwer, aber mit dem Ausblick es bald geschafft zu haben ist das kein Hindernis nicht nochmal etwas Gas zu geben, was mich, nach meiner Gehpause, erneut an meine Pace-Maker heranführt.

Den letzten Versorgungspunkt ignoriere ich, ich bin nun in der Fußgänger Zone und habe die restliche Strecke vor Augen. Leider habe ich keine Ahnung wie ich der Zeit liege, seit dem wir die Stadt wieder erreicht haben, habe ich keine Ansage von Runtastic mehr verstanden. (Ich laufe mir sehr leiser Musik und mit Kopfhörer die die Umgebungsgeräusche nicht blocken) Ich weiß daher nicht ob ich meinen Traum von Finish in weniger als zwei Stunden noch halten kann. Die letzte Kurve liegt vor mir und ich kann das Zieltor sehen. Ich mobilisiere die letzten Kräfte und setze zu einem Schlusssprint an. Kurz vor der Ziellinie höre ich den Sprecher verkünden. „Alle Läufer die jetzt noch ankommen sind noch deutlich unter der zwei Stunden Marke…“ unter diesem Satz laufe ich mit breitem Grinsen über die Ziellinie. Ein junges Mädchen überreicht mir meine Finisher Medallie und ich trabe zum Finisher-Buffet um meinen Durst zu stillen.

Ich arbeite mich einmal durch alle angebotenen Getränke durch, danach mach ich mich auf die Suche nach meiner Frau. Leider hat es auch beim Zieleinlauf nicht mit dem Foto geklappt. Meine Schuld – ich hatte angekündigt irgendwas zwischen 2:00 und 2:10 zu brauchen, meine Frau war gerade auf dem Weg zum Zielbereich als ich angekommen bin.

Netto-Zeit: 1:56:51

Fazit

Ganz abgesehen vom Ergebnis, mit dem ich super zufrieden bin, war der Lauf in Fürth wirklich beeindruckend. Die Stimmung und Atmosphäre auf der Strecke war bombastisch, dafür haben die vielen Zuschauer und Musikgruppen entlang der Strecke gesorgt. Die Streckenführung bietet erstaunlich viel Abwechslung: Innenstadt, Vororte, Parks, Landstraße – alles dabei. Es gibt ein paar kleinere Steigungen, ansonsten ist die Strecke flach bis wellig.  Abholung von Startunterlagen, Gepäckabgabe etc. war übersichtlich organisiert. Das Rahmenprogramm für die Zuschauer war, laut meiner Frau, ansprechend – jedoch noch mit etwas Luft nach oben. Die Versorgungspunkte waren extrem zahlreich und das Angebot sehr gut. Das gilt auch für das Finisher-Buffet. Allerdings darf man dies, bei Startgebühren um die 50€ (je nach Meldezeitpunkt) für einen Halbmarathon auch erwarten.