Über Stock und Stein – Frankenweglauf

Der Frankenweg Marathon ist der kürzeste Lauf, der dieses Jahr auf meiner Agenda steht, jedoch sicher nicht der einfachste. Die Strecke führt großteils über Trails und schlägt mit über 1200 Höhenmetern zu Buche. Nach meinen Problemen auf dem Rennsteig habe ich gehörig Respekt vor dieser Strecke, wie es gelaufen ist, könnt ihr hier nachlesen.

Ausgangslage

Zwei Wochen sind seit meinem Debakel auf dem Rennsteig vergangen. Eine davon diente der Regeneration, in der laufenden Woche habe ich drei verhaltene Trainingseinheiten absolviert. Ich habe Respekt vor dem, was vor mir liegt, anders als beim Rennsteig verspüre ich aber auch Vorfreude. In den letzten Monaten habe ich eine Vorliebe für das Laufen auf Trails entwickelt.
Wie schon auf dem Rennsteig werde ich mit Zusatzgewicht antreten, dieses mal dient der Rucksack aber nicht rein als Ballast, ich transportiere meine Wechselkleidung, Duschzeug und Trinkwasser darin.

Vor dem Rennen

Der Startort, Gasseldorf, liegt lediglich 45 Auto Minuten von hier entfernt. Entsprechend entspannt und unspektakulär gestaltet sich die Anreise. Gegen 6:45 erreiche ich das Gemeindehaus. Die Startnummernausgabe erfolgt an einem Campingtisch vor dem Gebäude, eine kleine Schaar an Läufern hat sich bereits eingefunden.
Man begrüßt sich mit Handschlag, scherzt und unterhält sich, eine entspannte und gelöste Atmosphäre. Etwa zwanzig Minuten vor dem Start werden wir zusammen gerufen. Einer der Organisatoren hält eine Ansprache, erklärt die Beschilderung, weißt noch einmal auf alle Stellen hin wo wir den Frankenweg verlassen. Bereits im Vorfeld wurden wir per E-Mail auf vier Stellen hingewiesen auf denen wir besonders aufpassen müssen uns nicht zu verlaufen. Der Ausdruck der Hinweise habe ich griffbereit in einer der vielen Taschen meines Laufrucksacks, ein GPX Track auf meiner Laufuhr sorgt für weitere Sicherheit. Es sei bereits hier vorweggenommen: Weder den Track noch den Ausdruck muss ich zu Rate ziehen, die Beschilderung der Strecke ist hervorragend.

Nach Abschluss der Einschwörung beginnt der gemeinsame Aufstieg zum Start, dieser liegt knapp einen Kilometer entfernt vom Treffpunkt. Spätestens jetzt bekommt jeder demonstriert, was heute vor uns liegt: Ein schmaler single Trail, überzogen mit Wurzeln und Steinen, führt steil den Berg hinauf. Im Gänsemarsch geht es aufwärts, mehrfach muss ich mich unter Ästen hindurch ducken.

Nach wenigen Minuten erreichen wir einen breiteren Waldweg, den wir folgen, bis wir, mitten im Nirgendwo, den Startpunkt erreicht haben. Wenige Minuten verbleiben bis zum Start. Ich suche mir eine Position recht weit vorne, möchte, auf den erwarteten engen Wegen mir unnötige Überholmanöver sparen. Wir werden erneut ermahnt uns die Kräfte gut einzuteilen, nur ein Läufer hat im letzten Jahr diese Strecke unter vier Stunden bewältigt, wir sollen wenigstens eine Stunde zusätzlich einplanen. Aus dem Feld ruft jemand „Mindestens anderhalbt“ und erntet dafür zustimmendes Gemurmel. Unter fünf Stunden war mein Ziel? Zu hoch gegriffen?
Musik erschallt, anders als bei großen Veranstaltungen nicht aus wummerten Lautsprechertürmen, sondern aus dem Smartphone des Orgas. Der Countdown wird gemeinsam hinabgezählt und dann geht es los.

Das Rennen

Für die erste Minute auf einem breiten Waldweg der zwei oder drei Läufern nebeneinander Platz bietet, sich dann jedoch zu einem Singletrail verengt. Wir passieren einen Aussichtspunkt, tolle Fernsicht, aber keine Zeit zum Verweilen, es geht in den Wald hinein und zum ersten Mal über Stock und Stein rasant bergab. Wir überqueren eine Wiese, tauchen wieder in den Wald ein, vor uns taucht ein strahlend weißer Pavillon auf, vorbei wieder in den Wald hinein und über enge Serpentinen steil hinab. Es benötigt keine zwei Kilometer, dann ist es um mich geschehen – ich habe mich in diese Strecke verliebt. Am liebsten würde ich alles fotografieren, aber die Strecke fordert viel Konzentration, Wurzeln, Steine, Felsen, immer wieder Staunen, aufpassen nicht aufzulaufen. Ich nutze jede Gelegenheit für Fotos komme aber nicht dazu die Kamera auf die schwierigen Lichtverhältnisse, der meist dunklen Strecke, einzustellen, weswegen ich zu Hause feststellen muss, das viele Bilder, nicht gelungen sind.

Wir erreichen einen schmalen Waldbach und überqueren ihn auf einer Holzbrücke. Über viele treppenartige Stufen plätschert das Wasser dahin, gespeist von einem Wasserfall. Eine steile Treppe daneben führt uns hinauf.

Oben angekommen laufen wir am Ortsrand von Streitberg entlang. Eine Frau sitzt am Fenster und applaudiert uns. Kurz darauf erreichen wir den ersten Versorgungspunkt. Ich schnappe mir einen Becher Wasser. Obwohl wird gerade einmal drei Kilometer gelaufen sind spüre ich Durst und Anstrengung, das wird zweifelsfrei eine harte Nuss.
Für kurze Zeit folgen wir einen befestigten Weg, dann nimmt uns der nächste Singletrail auf. Wurzeln, Steine, kurze Treppen, tiefhängende Äste. Anstrengend aber gut zu laufen. Bald stoßen wir auf einen breiten Wanderweg, laufen an einer Felswand vorbei, nahezu eben. Eine Gelegenheit, einmal durchzuatmen, dann beginnt der erste fordernde Anstieg. Zunächst steiler, enger Single Trail, zur linken geht es steil bergan, zur rechten ebenso steil bergab. Meine Höhenangst schlägt, zum Glück, nicht an, dafür sind wir zu niedrig und zuviel Bäume verdecken die Sicht, außerdem sind meine Augen die meiste Zeit auf den Boden geheftet um alle Unebenheiten rechtzeitig zu entdecken. Der Weg geht in eine steile Treppe über, an Laufen ist nicht zu denken, im Gänsemarsch wuchten wir uns hinauf.

Der Anstieg geht nahtlos in den nächsten Abstieg über und wenig später ebenso nahtlos wieder in den nächsten Anstieg. Breitere Waldwege wechseln sich mit engeren Passagen ab. Der Boden ist überzogen mit Wurzeln und Steinen, alles im Allen ist dieser Abschnitt aber leichter zu laufen als die letzten Kilometer. Ich versuche das Tempo, im Rahmen der Bedingungen, hoch zu halten, möchte nicht zuviel Zeit verschenken. Ich spüre die Anstrengung und habe das Gefühl schon deutlich mehr Kilometer in den Beinen zu haben als meine Uhr mir bescheinigt, aber noch fließt reichlich kraft und noch immer begeistert mich diese Strecke. Ich habe Spaß am Laufen, Spaß der mir vor zwei Wochen gefehlt hat.

Der nächste steile Abschnitt beginnt, laufen möglich, um Kräfte zu sparen, wechsel ich aber, wie alle in Sichtweite, ins Gehen. Schweiß läuft in Strömen, obwohl unter den Bäumen noch angenehme Temperaturen herrschen, im späteren Tagesverlauf soll es deutlich wärmer werden.

Der Anstieg nimmt kein Ende, der Untergrund, bislang ein wurzelüberzogener Waldweg wird von einem Trail abgelöst. Dicke knorrige Wurzeln, Steine, der Pfad kaum als solcher zu erkennen. Vorsichtiges Setzen von Schritten, sichere Tritte suchen, wo es geht antraben, abbremsen, Kraxeln, hier und da Hände zur Hilfe nehmen. Alles anstrengend, macht aber auch richtig Laune. Wie konnte ich jemals Straße laufen? Das hier ist soviel spannender.

Der Anstieg endet doch noch, ein breiter, nahezu wurzelfreier Waldweg bietet Zeit sich zum Erholen, dann beginnt ein rasanter Abstieg. Über Treppen, Stock und Stein geben wir gewonnene Höhenmeter preis. Mehr als einmal stolper ich, rutsche auf altem Laub, finde aber immer wieder halt, eh schlimmeres passieren kann.

Der Abstieg endet, ein paar Minuten Erholung dann geht es wieder bergauf. Nicht ganz so steil, nicht ganz so schroff, lässt sich laufen. Recht unvermittelt taucht eine Höhle vor mir auf. Natürlich hat man uns in der Einschwörung davon erzählt, hätte sie nur später erwartet.

Ein Feuerwehrmann sichert den Einstieg, hat ein paar Lampen für uns aufgestellt, dennoch ist es finster in der Höhle, nur die gefährlichsten Stellen sind schwach erleuchtet. In der Höhle ist es angenehm kühl, ich wechsel ins Gehen, und passe vor allem auf mir nicht den Kopf zu stoßen. Eine tolle Episode auf einer ohnehin schon abwechslungsreiche Strecke. Es geht um ein paar Biegungen hindurch, dann hat mich das Tageslicht wieder. Ich warte auf den nächsten Läufer, um ein Foto am Höhlenausgang aufzunehmen. Er bietet mir an ein Foto von mir zu machen, was ich gerne annehme. Also noch einmal in die Höhle und für das Foto posieren.

Etwa zehn Kilometer liegen hinter mir, zehn Kilometer für die ich, trotz hohen Kräfteeinsatz mehr als eine Stunde und zwölf Minuten benötigt habe. Über eine Treppe geht es weiter hinauf. Aus Stufen wird bald schmaler Waldweg, es geht weiter bergauf, Wurzeln, Steine, Bäume, ein kurzes Stück steiles Gefälle, dann wieder aufwärts, unterhaltsam aber kräftezehrend gestalten sich die nächsten Minuten.

Der Weg verbreitert sich, wir passieren einen Funkturm und biegen auf einen mit Lochplatten ausgelegten Weg ein. Der Abschnitt ist sehr unangenehm zu laufen, die Platten bieten reichlich Gelegenheit zum Stolpern, wenn möglich laufe ich am Rand entlang. Der Weg führt steil bergab, so steil das ich viel Kraft zum Bremsen aufbringen muss, schnell fangen die Oberschenkel an zu brennen, dann endlich sind wir unten. Ein kurzes Stück geht es eben weiter, dann beginnt der nächste Anstieg. Flache Abschnitte sind uns, bislang kaum vergönnt wurden.
Unvermittelt endet der Wald, weites offenes Gelände liegt vor mir, Felder liegen entlang des geschotterten Weges, in der Ferne sind Häuser zu erkennen. Der Weg führt steil bergab, ich lasse es laufen, versuche den Schwung zu nutzen ohne zuviel Kraft zu verbrauchen. Nach den anstrengenden letzten Kilometern ist diese ruhige Passage eine Wohltat.

Wir passieren einige Wohnhäuser und überqueren eine Straße, auf der gegenüberliegenden Seite laufen wir wieder bergan, zunächst auf Beton dann über eine Wiese am Waldrand entlang. Wenig später tauchen wir in den Wald ein. Wir folgen einem Trail, der rasch an Höhe gewinnt. Schweiß läuft, Pumpe hämmert, es ist anstrengend aber erträglich.

Der Anstieg endet und – wie könnt es anders sein – geht sofort in den nächsten Abstieg über, in weiten Schwüngen führt der Pfad hinab, die Seiten sind mit Geländern gesichert. Zweimal komme ich ins Rutschen, bleibe aber weiterhin sturzfrei. Die Gegend kommt mir, ohne erklären zu können woher, vertraut vor. Zeit zum Nachdenken habe ich nicht, der Abstieg fordert volle Konzentration ein.
Ein Felsdurchgang taucht vor mir auf, ein paar Wanderer warten vor dem Eingang und Klatschen als ich sie passiere. Kaum habe ich den Durchgang durchquert, weiß ich wo ich bin: Vor mir liegt eine Sturzhöhle, eine gewundene Treppe führt hinab.
Vor einigen Monaten waren wir hier mit den Hunden spazieren, kamen jedoch von der anderen Richtung und waren uns nicht sicher ob wir die Höhle hinauf müssen oder nicht. Heute ist die Richtung klar, nach unten.

Viele Treppen führen in die Tiefe, entgegenkommende Wanderer machen mir bereitwillig Platz. Wie in meiner Erinnerung stoße ich auf eine breite Straße, die es zu überqueren gilt. Auf der gegenüberliegenden Seite liegt der nächste Versorgungspunkt.
Erst dreizehn Kilometer liegen hinter mir und schon fühlen sich meine Beine schlimmer zerschunden an als nach so manchem Marathon. Weitere dreißig Kilometer halte ich diese Schinderei, zumindest im aktuellen Tempo, sicher nicht durch. Dennoch bin ich bester Laune, habe Spaß an dem Lauf und bislang jeden Meter genossen. Ich greife reichlich bei den angebotenen Gaben zu, Salzstangen, Kekse und viel Wasser dann setzte ich meine Reise fort.
Ich überquere eine schmale Brücke, die aus einem Metallgitter besteht, an die kann ich mich gut erinnern: Ich musste einst alle Überredungskünste auf Amak einwirken lassen um ihn dazu zu bringen, diese Brücke zu überqueren.
Der bekannte Weg endet, wir biegen rechts ab, ich kam damals von links. Ein schmaler aber weitestgehend ebener Pfad führt am Fluss entlang. Zu meiner Linken geht es steil bergauf.

Fast vier Kilometer geht es so dahin, von Zeit zu Zeit kommen uns Wanderer oder Radfahrer entgegen. Mal ist der Weg breiter, mal schmaler, führt von Zeit zu Zeit über kleinere Anstiege. Ansonsten passiert nicht viel Aufregendes. Zunächst nutze ich die Zeit um mich zu erholen dann verschärfe ich das Tempo, versuche Zeit und Boden auf diesem einfachen Abschnitt gut zu machen.

Schließlich erreichen wir den Rand einer Ortschaft, wir laufen, wieder auf Beton, an einem Spielplatz vorbei, eine Treppe hinauf und befinden uns schlagartig an einer großen Kreuzung. Nach fast zwei Stunden Wald, Fels und Wurzeln wirkt der Anblick befremdlich und desorientierend. Suchend schaue ich mich nach dem richtigen Weg um, dann sehe ich es winken. Einige Zuschauerinnen haben sich an einer Treppe versammelt und weißen uns den Weg. Wir lassen die Straße hinter uns und unterqueren eine Verkehrsbrücke auf einem schmalen Pfad. Wenig später überqueren wir den Fluss auf einer Holzbrücke und steuern auf den nächsten Versorgungspunkt zu.

Mit frischem Wasser im Magen laufe ich weiter, an Wohnhäusern vorbei, stets am Fluss entlang. Nach wenigen Minuten erreiche ich ein Gasthaus, hier verlassen wir den befestigten Weg und biegen wieder auf einen echten Trail ein. Sofort geht es steil hinauf, die ersten Meter lassen sich noch gut laufen, dann wird es zu steil und zu uneben. Wie schon so oft heute wechsel ich ins Gehen. Unermüdlich führt uns der Pfad weiter aufwärts, der Untergrund wir felsiger, immer wieder erleichtern uns Treppen und Geländer das Vorankommen.

Mein Puls ist auf Anschlag, mir ist heiß und die Lunge brennt, keuchend kämpfe ich mich weiter hinauf. Auf kurzen Abschnitten setze ich mehrfach zu ein paar Laufschritten an, aber es dauert nie lange, bis das nächste Hindernis, mich zu langsameren vorsichtigen Schritten mahnt. Endlich scheint der höchste Punkt erreicht zu sein, über eine Kombination aus Treppen beginnt der erneute Abstieg.

Dieser ist deutlich kürzer als der Anstieg, schon nach wenigen Minuten taucht ein kleines Städtchen vor uns auf. Das muss Gößweinstein sein, der Startort des Halbmarathons. Der erste Abschnitt sollte gleich geschafft sein. Wir laufen zum Ort hinab, die imposante Burg auf dem Berg hätte ich um ein Haar übersehen.

Über Kopfsteinpflaster laufen wir in den Ort hinein. Ich schaue mich suchend nach den Markierungen des Frankenwegs um, auch hier im Ort sind sie zahlreich zu finden, allerdings gibt es mehr Abzweigungen und es gilt wachsam zu bleiben. Mehr als einmal weißt mir ein Passant den richtigen Weg und entbindet mich somit von meiner Suche.
Mein Weg führt mich durch mehrere Wohnstraßen, an Strebergärten vorbei und über eine breite Straße hinweg. Die Straße steigt steil an und führt uns zum Ortsausgang.
Wir kommen an einem Reiterhof vorbei, der Wunsch meines Vordermanns, sich eines der Pferde auszuleihen, bleibt verwehrt. War sicher witzig gemeint, werden die Menschen die hier gerade ihre Freizeit verbringen, in der letzten Stunde aber sicher schon öfters gehört haben.
Wir laufen zwischen den Feldern hindurch, ohne Schatten heizt die Sonne kräftig ein, was mir zusetzt. Laut meiner Laufuhr erreichen wir auf diesem Abschnitt die Halbmarathon Distanz, recht genau 2:30 habe ich dafür benötigt.

Ich bin froh, als wir wieder den Wald erreichen und in den schützenden Schatten der Bäume eintauchen. Die Strecke erweist sich, auf den ersten Kilometern des zweiten Abschnittes, als deutlich einfacher zu laufen: Vorrangig Waldwege mit moderater Steigung. Zunächst nutze ich den Abschnitt, um mich zu erholen, doch schon bald beschleunige ich meine Schritte, ich möchte ein paar Sekunden gutmachen solange es noch geht, das nächste Hindernis kommt bestimmt.
Wir nähern uns einen Campingplatz, hier müssen wir rechts ab, das ist bei der Streckenbesprechung hängen geblieben, im letzten Jahr haben einige die Abbiegung verpasst und haben den Campingplatz gestürmt. Das Hinweisschild ist nicht zu übersehen, über eine kurze, steil, Treppe gewinnen wir an Höhe und umlaufen den Campingplatz über einen Trail.
Der Weg bleibt trailig, führ, für die nächsten Kilometer immer dicht an der Bundesstraße entlang. Ich passiere eine Felswand, Kletterer sind gerade dabei den Aufstieg zu beginnen.

Der Weg beschreibt dabei ein beständiges auf und ab, meist vorbei an Bäumen und Buschwerk, von Zeit zu Zeit aber auch über Felsen. Nur selten gebietet es die Sicherheit, vom Lauf- in den Gehschritt zu wechseln. Ich komme gut voran und fühle mich gut.

Der Weg wird rauer, immer häufiger begrenzen Felsen den Weg, kurze An- und Abstiege, Treppen, Felsen die über den Weg ragen und mich dazu zwingen den Kopf einzuziehen. Eine abwechslungsreiche Landschaft, die Konzentration abverlangt.

Schließlich endet der Trail und wir erreichen einen befestigten Fußweg. Unter uns liegt das Städtchen Pottenstein. Von der erhöhten Position hat man einen hübschen Blick über die Ortschaft. Der Fußweg endet und wir folgen ein Stück der Hauptstraße, bereits nach wenigen Minuten verlassen wir diese wieder und biegen rechts in eine Seitenstraße ein, die schon bald in einen befestigten Waldweg übergeht.

Für einige Zeit bleiben wir dicht an der Bundesstraße bis wir einen großen Parkplatz erreichen. Für einen kurzen Moment bin ich orientierungslos, wo soll ich auf einem so großen Platz nach den kleinen Frankenweg Schildern suchen? Die Frage ist jedoch schnell beantwortet: Eine Gruppe Zuschauer empfängt mich auf den Parkplatz, macht reichlich Radau und „Laolat“ mich in die richtige Richtung. Auf einer Holzbrücke überquere ich einen Fluss, folge diesem noch ein paar Meter dann biege ich rechts ab und befinde mich wieder auf Trail. Tendenziell geht es wieder bergan, vorbei an Felsen und durch dichten Bewuchs hindurch.

Mein Weg endet an einem Stoppschild: Der weitere Weg ist gesperrt, auch der Punkt wurden in der Streckenbesprechung erwähnt, ich muss hier über eine Brücke und dann bis zu einem Kiosk laufen. Ich bleibe auf der Straße bis ich eine Kreuzung erreiche: Muss ich hier abbiegen oder weiter geradeaus? Bin mir nicht sicher, kann auch kein Schild entdecken. Ich laufe für ein kurzes Stück die Straße rechts hinauf, nachdem ich aber auch hier kein Schild finde laufe ich zurück und folge der ursprünglichen Straße. Keine einhundert Meter weiter entdecke ich den Kiosk und einen Versorgungspunkt. Nach über 30 Kilometern der erste Anflug von Unsicherheit, Zeitverlust nicht mehr als eine Minute.
Am Stand nehme ich mir Zeit, die Sonne brennt inzwischen kräftig, an einem großen Fass gieße ich mir Wasser über den Kopf. Genau die Abkühlung, die ich jetzt brauche.
Ich setze meine Reise fort, laufe an hohen Felsen vorbei, der Straßenlärm ist binnen Sekunden nicht mehr zu hören.

Es folgen zwei Kilometer mit einfachen Gelände, teilweise leichter Trail, teilweise Waldwege, vorbei an einem kleinen Gehöft und über offenes Gelände auf die nächste Ortschaft zu. Die Sonne brennt uns hier ganz und gar ungeschützt auf die Schädel, das setzt mir zu, damit bin ich nicht alleine, ich entdecke einige Läufer vor mir die am Wegesrand entlang trotten. Inzwischen habe ich das hintere Ende der Halbmarathon Läufer erreicht.

Am Eingang der Ortschaft wartet der nächste Versorgungspunkt auf uns. Eine der Helfer fragt mich verblüfft, ob ich schon zu den Marathon Läufern gehöre. Das bestätigt meine Vermutung mich recht weit vorne im Feld zu befinden und gibt mir weiteren Auftrieb. „Hat man da morgen eigentlich Muskelkater?“ Fragt sie mich, ich antworte „Ich hoffe nicht“, bedanke mich und mache mich wieder auf den Weg. Wahrscheinlich werde ich morgen gehörigen Muskelkater haben, das bisherige Gelände war durchaus anspruchsvoll.
Wir durchqueren den Ort und laufen über ein Stück Wiese, bis wir einen geschotterten Feldweg erreichen.

Auch dieser Weg liegt vollständig in der Sonne, steigt dazu noch an, das kostet Kraft und ich spüre langsam aber sicher wie mir diese auszugehen droht. Die Strecke hat sich inzwischen merklich gefüllt, neben den Halbmarathon und Marathon Läufer bekomme ich von jetzt an auch die Wanderer regelmäßig zu sehen.
Der Feldweg führt in den Wald, endlich wieder im Schatten zu laufen tut gut. Ich geönne mir etwas Erholung und nehme dann wieder Tempo auf. Die nächsten Kilometer erweisen sich als die unspektakulärsten der bisherigen Strecke: Breite, gut ausgebaute Waldwege, die großteils leicht ansteigen, die Wege lassen sich problemlos laufen und Kilometer um Kilometer kann ich abhacken.
Etwa bei Kilometer 37 wartet der nächste Versorgungspunkt auf mich. Zunächst habe ich vor einzukehren, da der Stand jedoch gerade von vielen Läufern und Wanderer belagert wird, entscheide ich mich dagegen. Ein Fotograf deutet fragen auf den Stand ich winke ab und steuer auf die dahinter liegende Ortschaft zu. Es sind nur noch fünf Kilometer und ich habe noch reichlich Wasser im Rucksack, die Zeit kann ich mir sparen.
Wir laufen bis zum Dorfrand, steil bergan, biegen dann links ab und folgen dem Waldrand. Der Weg ist ein einfacher, stark zerfurchter Waldweg. Ich muss einige Überholmanöver abschließen, was viele „Spurwechsel“ erforderlich macht, das kostet zusätzliche Kraft.
Der Feldweg endet, wir biegen rechts ab, durch dichten Bewuchs hindurch, eine Gruppe Wanderer lässt mich passieren. Ein steiler Anstieg beginnt, der steilste bislang auf den zweiten Halbmarathon. Auch ich wechsel ins Gehen, in der Hitze ist das anstrengend genug. Meine Beine brennen, die Lunge keucht. Nur noch drei Kilometer, das Mantra lässt mich wieder antraben sobald es geht.

Wir verlassen den Wald und stoßen auf eine Straße, auch diese ist extrem steil und führt auf einen größeren Gasthof zu. Davor ein weiterer Versorgungsstand, auch den lasse ich aus, ich suche, kann aber kein Hinweisschild für den Weg entdecken. Gerade will ich schon nach links abbiegen, als mich einer der Gäste des Gasthofs nach rechts schickt. Ich bedanke mich und umlaufe, auf beschriebenen Weg das Gasthaus.
Erneut geht es in den Wald hinein, Waldwege, leichter Trail, über eine Lichtung, ich bin inzwischen stark auf das Ziel fokusiert, versuche das Tempo hoch zu halten und nehme nicht mehr viel von der Landschaft um mich herum wahr.

Etwa einen Kilometer vor dem Ziel beginnt der finale Anstieg und der hat es in sich: In engen Serpentinen geht es hinauf, sofort wechsel ich ins Gehen, versuche schnell zu Marschieren, mobilisiere noch einmal verbleibende Kräfte. Hilft nicht, selbst das Marschieren bringt mich an die Grenze meiner Leistungsfähigkeit. Herz und Lunge pumpen was das Zeug hält, schweiß läuft in Strömen, was würde ich für einen der Trailstöcke geben, mit denen die Wanderer vor mir bewaffnet sind. Der Anstieg scheint kein Ende zu nehmen, ich kämpfe und gewinne – endlich oben.
Es folgt der letzte Abstieg, der ist genauso steil wie der Anstieg zuvor. In Schlangenlinie laufe ich den Hang hinab, vor mir tauchen Häuser auf, da muss das Ziel sein. Ich höre Lautsprecherdurchsagen, dann taucht der Zielkanal vor mir auf, ein Stück Wiese mit Luftballons abgesteckt. Am Rand die typischen Motivationsschilder wie „Umdrehen wäre jetzt auch doof“.

Ich laufe um eine letzte Kurve hindurch, dann taucht das Zieltor vor mir auf. Nach 4:47:59 habe ich es geschafft.

Fazit

Ein toller und perfekt organisierter Lauf in der fränkischen Schweiz. Schon vor dem Lauf werden auf Besonderheiten in der Streckenführung hingewiesen, ebenso noch einmal beim Briefing. Die vorhandene Beschilderung des Frankenwegs ist sehr ausführlich, solange man aufmerksam bleibt, ist das Verlaufen sehr unwahrscheinlich.
Entlang der Strecke befinden sich viele Versorgungspunkte mit wechselndem Angebot. Im Zielgelände besteht die Möglichkeit zu Duschen, sowie warme Verpflegung zu erträglichen Preisen zu erwerben. Der, vom Veranstalter organisierte, Rücktransport zum Start hat problemlos geklappt. Wenn man zwanghaft etwas zum Kritisieren sucht fällt mir maximal die etwas unnötig in die Länge gezogene Siegerehrung ein.
Die Strecke ist anspruchsvoll, besonders der erste Halbmarathon, man sollte sich daher gründlich auf den Lauf vorbereiten und sich seine Kräfte gut einteilen.
Für mich lief es diesmal gut, mein Ziel, unter fünf Stunden zu bleiben, konnte ich erreichen und mir somit den 6ten Platz meiner Altersklasse sichern.

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